„Otzenrath 3° kälter“ – der eisige Wind der Umsiedlung

Müssen Dörfer weichen, damit Kohle gefördert werden kann?

Der Braunkohleplan des Tagebau Nochten soll fortgeschrieben werden. Im Zuge dessen soll es zu Untersuchungen im Vorgriff auf eine eventuelle bergbauliche Inanspruchnahme von Gemeinden und Dörfern im Landkreis Görlitz kommen.

Das Kommunalpolitische Forum Sachsen e.V. lud deshalb zu einer Informationsveranstaltung am 28.04.09 um 18 Uhr in das Sorbische Kulturzentrum Schleife ein.

Als Gesprächspartner waren unter anderem Kathrin Kagelmann – Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Kreistag Görlitz und Mitglied des Sächsischen Landtages – und Wolfgang Kotissek – Kreisrat in der Fraktion DIE LINKE im Kreistag Görlitz zugegen.

Dazu ein Bericht einer Teilnehmerin:

Was für 70 Menschen aus Rohne und Mulkwitz sowie 180 aus Trebendorf-Hinterberg bereits Gewissheit ist – nämlich dem Braunkohletagebau Nochten weichen zu müssen – steht ca. 1.550 Bewohnerinnen und Bewohnern im Vorranggebiet um Schleife vielleicht noch bevor. Oder doch nicht?

Die Energiepolitik in Deutschland und Sachsen setzt immer noch auf Braunkohle als unverzichtbaren Energieträger, obwohl man weiß, dass die Braunkohle der Klimakiller Nr. 1 ist! Ungefähr 1 t Kohlendioxid (CO2) entsteht aus 1 Tonne Braunkohle oder anders: mit jeder Kilowattstunde Strom aus Braunkohle wird ca. 1 kg CO2 in die Luft gepustet. Das bringt unser Klima gehörig durcheinander und die gegenwärtige Kohlepolitik in Deutschland ist gewiss kein Garant für eine Änderung – Reduktionsziele hin oder her.

Während sich der Energiekonzern Vattenfall in Schweden vorrangig mit erneuerbaren Energien beschäftigt (Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie usw.) nutzt er die guten Rahmenbedingungen in Deutschland zur Kohleverstromung. Warum auch nicht, wir sind schließlich im Kapitalismus – entweder Vattenfall oder ein anderer! Also muss Druck auf die Politik ausgeübt werden, um diese Rahmenbedingungen zu ändern! Und das muss schnell geschehen, sonst werden in der sorbischen Region um Schleife Tatsachen geschaffen und das Vorranggebiet wird ein genehmigtes Abbaugebiet.

Welche Probleme für die Menschen eine solche Umsiedlung mit sich bringt, zeigt eindrucksvoll der Film „Otzenrath 3° kälter“, der am 28.04.09 in Schleife gezeigt wurde. Dieser Ort, wie auch andere,  musste der Erweiterung des Tagebaus Garzweiler II in NRW weichen. Es sind Bilder wie im Krieg oder nach einem Erdbeben, wenn lose Fensterflügel im Wind klappern, Häuser abgerissen werden, die Kirchenfenster bersten. Ist es wirklich immer noch nötig, Natur und Heimat für den Energiehunger unserer Zivilisation zu zerstören? Gibt es nicht inzwischen andere technische Möglichkeiten, Strom und Wärme umweltverträglich herzustellen? Wie viel von dem gewonnenen Strom wird in unnütze, überflüssige, nicht verkäufliche oder gar schädliche (z. B. Waffen) Produkte gesteckt? Und dafür diese Zerstörungen und Verluste? Das tut schon weh, auch wenn man nicht unmittelbar davon betroffen ist.

Es bleibt nur zu hoffen, dass viele Menschen von diesen Zusammenhängen erfahren und zum Nachdenken angeregt werden. Vielleicht gibt es die Chance, die Erweiterung des Tagebaus Nochten zu verhindern, z.B. indem man auf „grünen“ Strom umsteigt und Vattenfall die „rote Karte“ zeigt.

DIE LINKE im Kreistag Görlitz unterstützt auch weiterhin die Menschen, die um den Erhalt ihrer Heimat um Schleife engagiert sind und knüpft damit an die Arbeit der Kreistagsfraktion des NOL nahtlos an.